Maqsoodi-Fenster – Brücken für Jahrtausende

Maqsoodi-Fenster – Brücken für Jahrtausende

Künstlerin erzählt auf zeitgenössische Weise Bibelgeschichten in Glas

Die Münchner Künstlerin Mahbuba E. Maqsoodi gestaltet derzeit in der Bayerischen Hofglasmalerei neue Künstlerfenster für die Kirche des ältesten Klosters in Deutschland, der Benediktinerabtei St. Mauritius, Tholey. Das Projekt, zu dem auch drei neue Richterfenster zählen, ist eines der derzeit größten und kunsthistorisch bedeutendsten Glasmalereiprojekte.

Maqsoodi konnte sich bei einem beschränkten Kunstwettbewerb mit Ihren Entwürfen bei der Jury durchsetzen. Ausgedruckte Eins-zu-eins-Vorlagen erstellt aus den Entwurfsmalereien und unzähligen Detailstudien verfeinert die Künstlerin mit ihrem persönlichen Duktus, perfektioniert die Gestik und Mimik ihrer Figuren und ergänzt, wo in der Größe Details fehlen.

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Fenstermotive © Mahbuba Maqsoodi 2020

Die narrativen Fensterfelder bestehen aus einer bemalten Trägerscheibe und verschiedenen farbigen Überfanggläsern mit Ätzmalereien. Diese sind zusätzlich glasmalerisch mit Überzügen bearbeitet, so dass die figürlichen Motive perfekt zur Geltung kommen.  

Für die Entstehung der Fenster setzt sich Mahbuba Maqsoodi intensiv mit biblischen Geschichten und Heiligenlegenden auseinander und manifestiert diese mit hoher Präzision in zeitgenössischen farbintensiven Kompositionen auf Glas.

Und sie legt selbst glasmalerisch Hand an. Sie, die Miniaturmalerei in Afghanistan studierte und dann ihr Kunststudium an der Akademie W.I. Muchina in St. Petersburg nach Jahren intensiven Malens und Studierens unter sowjetrussischer Disziplin absolvierte, promovierte anschließend noch im Fach Kunstgeschichte.

1994 erhielt sie politisches Asyl und siedelte mit ihrem Mann und den beiden Söhnen nach München, wo sie seitdem als professionelle Künstlerin arbeitet. In ihren Werken beschäftigt sie sich mit gesellschaftlichen Fragen und stellt den Menschen mit seinem Wesen in den Mittelpunkt. „Ich möchte, dass die Fenster die Menschen berühren und Brücken bauen“, erläutert die gebürtige Afghanin ihre künstlerische Motivation, das Konzept und ihren multikulturellen Vermittlungsanspruch.

Emotionen schlagen Brücken über Jahrhunderte oder Jahrtausende hinweg

Das Monopol-Magazin lobt die Tholeyer Maqsoodi-Fenster: „Maqsoodis Werk ist eine gläserne biblia pauperum, was in einer immer säkulareren Gegenwart durchaus Potenzial hat. Ihr gelingt es, die biblischen Geschichten, die vielen zu weit weg oder durch theologische Diskurse unverständlich erscheinen mögen, mit dem Heute zu verbinden:

Die Gesichter und Haltungen ihrer Figuren drücken Liebe und Freude, Verzweiflung und Angst aus. Auch wenn die Betrachter noch nie von Abraham und Theobert gehört haben, die dargestellten Emotionen schlagen Brücken über Jahrhunderte oder Jahrtausende hinweg.“

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